„Du bist auch zurück? Ganz allein?” fragte Yang Zicang.
„Mhm~ Morgen ist Monatsende, also bin ich zurück.” He Yishu gab Yang Zicang seine Sachen zurück und holte einen Bilderrahmen hervor.
„Na, ist die Aura des Gemäldes gut genug wiederhergestellt? In letzter Zeit haben wir die ganze Zeit genau das gemacht. Mittlerweile kennt die gesamte Kunstszene der Hauptstadt von Hevenzike dieses Gemälde! Deshalb ist Xue Qi schwer beschäftigt.“
Yang Zicang warf einen Blick darauf und verlor beinahe völlig die Fassung.
„Ich jedenfalls muss zurück nach Hevenzike.“
„Toll, toll~” Hua Mi klatschte entzückt. „Ihr schöpft weiter sein Glanzlicht aus, ja~“
„Wir betrachten es nach dem Maßstab, ein Aufblitzen hervorzubringen. Dafür haben wir sogar die Erfolgsgeschichte weltberühmter Meisterwerke nachgeahmt und eine Aktionsstrategie entwickelt, um es zum wertvollsten Kunstwerk der Welt zu machen!“
„Strategie?“
-[Distributor Rocky·Tatamingqi äußert: „Bitte vorstellen“.]
He Yishu blickte nach oben und zählte im Stillen. „Allein in diesen zwei Wochen haben wir an die drei- oder viertausend Stück verteilen lassen.“
„Was ist das für eine Strategie?!“
„Hoho, der nächste Schritt: Wir wollen einige der renommiertesten Altmeister bitten, es zu kopieren, und es dann für teures Geld erwerben, um es der Internationalen Technischen Universität Hevenzike zu schenken.“
„Ihr…” Hua Mi betrachtete He Yishu wie ein Fabelwesen.
„Der übernächste Plan ist, es aus der Universität stehlen zu lassen…“
„Häää?!“
„Nun ja, den Rest behalten wir lieber für uns.“
Denn während sie noch sprachen, öffnete sich abermals eine Tür – und ein Mann im weißen Anzug erschien mit einem langgezogenen „Aaja“.
…
Yang Zicang entschied sich schließlich, das Zimmer des Costella Hotel mit der von ihm gemieteten Privatunterkunft zu synchronisieren. Er hatte Bai Yuxian bereits Nachricht zukommen lassen, dass er in diesem Monat die beiden Steffen-Leute ins Costella Hotel bringen würde.
Ein Kopf der kaiserlichen Spionageabteilung mit einer Drei-Ringe-Mondschicht-Blutlinie – und dazu ein Fährmann. Solche Gestalten würden bei der bevorstehenden „Lebenslauf-Versteigerung” der übrigen Hotelzimmer mit Sicherheit nützlich sein.
Nur: Ob ihre Geschichten wohl zählten?
Im leichten Morgennebel und feinem Schneetreiben ragte ein Maschendrahtzaun mit Holzpfählen kalt und starr am Ende einer grauen, steingepflasterten langen Straße auf. Soldaten mit dem Wappen des Großherzoglichen Heeres auf den Ärmeln standen in dicken Baumwollmänteln kerzengerade zu beiden Seiten des Weges Wache.
Dahinter lag das Nebelvolk-Pachtgebiet.
Yang Zicang überquerte das Gatter und ging zu Fuß ins Zentrum der Straße. Hier stand ein hohes Gebäude.
[Das ist also so etwas wie unser Stützpunkt in dieser Welt.]
[Nur hier kann man noch einen Hauch von Echtheit spüren.]
Yang Zicang warf einen Blick auf seine Brust. Er hatte so eine Vermutung, warum das Moxel manchmal seine inneren Gedanken ablas und manchmal nicht – vielleicht geschah es vor allem in solchen Momenten, in denen er sich in einem Zustand der „neuen Knoten“-Reflexion befand, dass es besonders stark reagierte.
„Wir sind Ich.” Nachdem Yang Zicang diesen Satz gesagt hatte, betrat er das kalte, verlassene Haupttor des Gebäudes mit der Aufschrift: „Nebelvolk-Pachtgebiet der Weißveilchen-Stadt, Großherzogtum Helchenholtsburg“.
Als er sich dem Tor näherte, erhob sich der junge Mann in schwarzem Sun-Yat-sen-Anzug, der im Seitenhäuschen hinter der Maueröffnung Wache hielt, und legte die Hand zum Gruß an die Schläfe. „Guten Tag. Ich habe Sie noch nie gesehen. Kommen Sie zur Registrierung?“
Es war ein Mann mit graublauer Mütze. Yang Zicang nickte und lächelte schwach.
„Sie kennen hier etwa jeden?“
„Ha, das allerdings. Wie könnte ich sonst auf so einem ruhigen Posten sitzen – das ist wahrlich kein Posten für jeden.“
Angesichts dieser halb scherzhaften Antwort zeigte Yang Zicang seinen Nebelvolk-Ausweis vor.
„Aus dem Hafen von Baolou also.” Der andere warf einen Blick darauf und begann, ein Register auszufüllen.
„Eine Frage.” Yang Zicang sah ihm beim Schreiben zu.
„Fragen Sie.“
„Hier gehen viele Nebelstaatler ein und aus, alle haben ihre eigenen Angelegenheiten. Wenn man sich unterwegs begegnet, wird man da nicht zum Feind? Schließlich trifft man hier leicht aufeinander und erkennt einander.“
Der Mann, der das Register ausgefüllt hatte, lächelte und blickte auf. Er reichte Stift und Register herüber.
„Das ist genau das, was ich Ihnen ohnehin erklären wollte. Unterschreiben Sie erst einmal. Irgendein Name, Hauptsache Sie haben ihn selbst geschrieben.“
Yang Zicang blickte auf das Blatt. Es war nur eine einfache Eintragung. Er schrieb „Yang Buchen” darauf. Als er den Stift ablegte, hob er den Kopf und begegnete dem durchdringenden Blick des anderen.
„Wie vermeidet man dieses Problem?“
„Ganz einfach: ein Schwur.“
„Ein Schwur?” Yang Zicang war kurz verblüfft. Als er sah, wie der andere zufrieden lächelte und mit beiden Händen ein großes schwarzes Lederbuch emporhielt und ihm reichte, war es ihm innerlich klar. Unwillkürlich warf er einen Blick auf das Gebäude und nahm das dicke Buch mit geübter Bewegung entgegen.
Er blätterte darin – dicht an dicht standen Schriftzeichen, sämtliche Sprachen der Erde waren hier versammelt. Die Mutao-Sprache nahm den geringsten Raum ein, nur eine knappe halbe Seite.
Denn ihr Inhalt bestand nur aus einem einzigen Satz:
— Ich gelobe, keine Informationen über die im Konzessionsgebiet angetroffenen Nebelvolk-Angehörigen oder Besucher preiszugeben und diese Informationen nicht als Quelle für den Informationsaustausch bei der „Entflammungsaktion” oder ähnlichen Operationen zu nutzen, und ihre Geheimnisse zu bewahren.
Dies stand auf der ersten Seite in den fünf ständigen Amtssprachen.
Yang Zicang, der einige Seiten geblättert hatte, ehe er es auf der ersten Seite fand, hätte nicht gedacht, dass ihm selbst in einer anderen Welt der Vorteil zugutekam, Bürger einer der fünf ständigen Mächte zu sein.
Er legte die Hand darauf und sagte mit leiser Stimme: „Ich schwöre und erkenne die Bindung dieser Regeln an mich an.“
„OKK. Sie kennen das also schon. Was die verschiedenen Schalter drinnen betrifft – merken Sie sich: Alles, was Sie erledigen wollen, finden Sie, wenn Sie nach links gehen.“
Yang Zicang drehte sich um. „Gibt es da einen Grund?“
„Links steht für Aktivität und Veränderung – das leuchtet ein. Aber der Speisesaal ist rechts, das Mittagessen kostet nur einen Kupferling pro Portion. Wenn Sie wirklich auf dem Trockenen sitzen, können Sie hier auch Hilfsarbeiten verrichten. Ach ja, wenn nichts Besonderes anliegt, beginnt der Dienst um acht Uhr. Jetzt ist es erst sechs, Sie müssen also noch etwas warten.“
Der wachhabende junge Mann zog einen Schalter – die Querstange, die die Toröffnung versperrt hatte, klappte von beiden Seiten nach hinten.
…
„Präsident, habt Ihr es Euch wirklich überlegt – wollt Ihr einige der Zimmerschlüssel vom Costella Hotel weggeben?“
Wagg lehnte sich im Sofa zurück, mit verlorenem Blick.
„In letzter Zeit habe ich schon zweimal verdächtige Gestalten bemerkt, die offenbar unseren Standort auskundschaften. Das Aufblitzen liegt in weiter Ferne, und währenddessen werden wir verfolgt, kaum dass wir Glanzlichter gewinnen. So wie es läuft, sind wir nicht mehr weit vom Schlimmsten entfernt.“
Die anderen fühlten sich bedrückt. Der Präsident hatte nicht unrecht.
„Aber die Schlüssel wegzugeben … das wurmt mich. Wenn wir stattdessen…“
Wagg blickte auf Ian vor ihm. „Stattdessen was?“
Ian sagte: „Wenn wir nur die mächtigsten und entscheidendsten Leute hineinlassen, sodass die Gegenseite nicht das ganze Stockwerk unter Kontrolle bekommt, dann können wir immer noch die Oberhand behalten.“
„Du meinst, wir holen uns zuerst einen starken Kämpfer, der eine Schlüsselposition auf dem Stockwerk besetzt?“
Ein anderer, der bislang geschwiegen hatte, ergriff plötzlich das Wort: „Leute, mir fällt da jemand ein. Ich habe ihm früher einmal die Zukunft gedeutet, daher kenne ich ihn ein wenig.“
„Oh? Herr Lon·Bia, was habt Ihr für einen weisen Rat?“
Alle blickten respektvoll auf diesen Einheimischen mit der Brandnarbe im Gesicht.
Lon·Bia lächelte voller Selbstvertrauen. „Ihr habt doch einen starken Kämpfer gesucht, der ein Zimmer besetzen soll. Habt ihr einmal bedacht, dass Yang Buchen in Wahrheit gar nicht genug Glanzlichter hat, um auf die restlichen neunzehn Zimmer zu bieten?“
„Also…” Ian zögerte. „Er wird wohl zuerst die restlichen neun Zimmer im vierten Stock sichern. Nicht unser drittes Stockwerk angreifen.“
Auch der Präsident nickte. „Der Kerl ist gerissen.” Er warf Yang Zicangs Visitenkarte auf den Tisch und schnaubte: „Er hat garantiert den Lobby-Manager ausgefragt. Bei unserem gestrigen Treffen hat er mich extra darauf hingewiesen, selbst Leute für die Zimmerversteigerung zu finden.“
„Er will uns reinlegen.” Abote schnaubte.
„Hm… Wenn er schon weiß, dass das Bieten auf Zimmer des eigenen Vereins automatisch zur Niederlage führt, dann hat er sicher auch erfahren, dass bei weniger als zwei Verwaltern die freien Zimmer nach dem Zufallsprinzip in leeren Zimmern irgendwo auf der Welt auftauchen…“
Seit sie im Costella Hotel eingezogen waren, hatte der Weiting-Wanderhandelsbund, der nun das dritte Stockwerk vollständig kontrollierte, bereits viele kleine Geheimnisse des Hotels erfahren.
Er glaubte, dass Yang Buchen gestern mit aller Gewalt mit ihm hatte reden wollen, nur um ihn hereinzulegen – mochte die Wahrscheinlichkeit auch noch so winzig sein.
Doch als echter „Nebelstaatler” ließ man keine noch so kleine Ritze ungenutzt, um das Gebäude ins Wanken zu bringen. Daher konnte er Yang Buchens Vorgehen „verstehen“. Der andere war immerhin ein Gegner, der ihm ein ganzes Stockwerk aus den Händen gerissen hatte.
„Herr Lon·Bia, habt Ihr einen Kandidaten für ein Zimmer im vierten Stock im Sinn – einen starken Kämpfer?“
„Es gibt da jemanden, dessen Stärke ist so gewaltig, dass mir niemand einfällt, der besser für dieses Zimmer geeignet wäre.“
„Welches Zimmer?” Alle beugten sich gleichzeitig gespannt vor.
„Natürlich das ganz am Ende des Flurs … das Zimmer, das für das Ende aller Dinge steht – Zimmer 410.“
Wagg und die anderen runzelten ernst die Stirn.
„Und die Statue jenes Mannes wiederum reinigt die Blutlinie der Zerstörung – wie vortrefflich passt das zu der Wettbewerbsbedingung ‚Ende’, nicht wahr! Und keine Sorge, dieser Mann hat sicher ebenso wenig genug Glanzlichter, um das Costella Hotel zu stabilisieren. Denn als ich ihm Anfang letzten Jahres die Zukunft deutete, war er gerade erst in dieser neuen Schicksalsbahn angelangt. Und das Entscheidende ist!“
„Entscheidend?” Die Herzen der anderen waren in die Höhe geschnellt. Das war in der Tat ein passender Kandidat.
Lon·Bia mit der Brandnarbe im Gesicht beugte sich vor und senkte die Stimme, als fürchte er, jemand könnte lauschen:
„Das Entscheidende ist, dass dieser Mann von seinem Wesen her recht leicht zu beeinflussen ist. Er könnte mit uns kooperieren und im Hotel einziehen. Ja – wenn wir nur aufrichtig genug wirken, könnte er sogar bereit sein, uns beizutreten!“
„Ihr meint, Ihr kennt einen derart mächtigen und obendrein nicht sonderlich cleveren Meister?“
„Wer ist es, lieber Herr Lon·Bia, sprecht doch schnell!“
„Vielleicht habt ihr schon seinen Namen gehört.“
Der Fährmann Lon·Bia richtete sich lächelnd auf. „Es ist der Neuling, der im letzten Jahr für so viel Aufsehen sorgte – die Faust der Zerstörung, Zhao Anlong!“