»Wagg.«
Die Gruppe stieg in die B1-Taverne hinab. Coco · Lang hob eine fröhliche Hand zum Gruß, besonders zu Hua Mi und He Yishu. Offensichtlich hatten die zwei beträchtliche Zeit hier verbracht.
Als er sie herunterkommen sah, fasste sich Wagg. Verglichen mit dem Nebelvolk-Pachtgebiet war kein Ort sicherer.
»Ihr beabsichtigt wahrhaftig, einen Kooperationsvertrag mit mir zu unterzeichnen?«
»Haltet nicht hin. Wo ist der nächste Ort, von dem Ihr jetzt einladen könnt, nach Baiqin-Stadt?«
Die Gruppe ließ sich auf nahegelegenen Stühlen nieder. Die Spulenmäuse, taktvoll wie immer, drängten sich nicht auf – sie saßen einfach in ordentlichen Reihen in der Ferne und sahen zu.
»Wahrheit ist, ich halte ein Zimmer im Hafen«, sagte Wagg, nun ein Mann ohne Familie, seine Stimme flach geschabt. »Schatzpavillon-Hafen ist nicht weit von Baiqin-Stadt. Besonders mit diesem verdammten Ding von Euch werdet Ihr die Stadt noch schneller erreichen.«
Bei »Visitenkarte« knirschte er mit den Zähnen.
»Was ist los – wollt Ihr sie nicht halten? Gebt sie zurück.«
Luchslicht beobachtete den Austausch zwischen »Yang Buchen« und diesem Boss der Wartende-Donner-Handelsvereinigung, dessen Gesicht aussah, als hätte er etwas Katastrophales geschluckt, mit wachsender Verwirrung.
Der Ausdruck des Mannes war spektakulär: gekränkt, erleichtert, wütend, zögerlich – alles übereinandergeschichtet.
»Vergesst es. Ich werde sie behalten. Wenigstens beweist sie meine Aufrichtigkeit.« Waggs Stimme war steif wie Holz.
»Worüber redet ihr zwei?«
Luchslicht konnte nicht anders. Alle anderen schienen es zu wissen. Er allein war im Dunkeln.
»Du wirst es lernen.« Yang Zicang hatte offensichtlich kein Interesse, zu erklären. Er heftete seine Augen auf Wagg. »Der Hafen ist wahrscheinlich auch nicht sicher – besonders für uns, die noch dabei sind, die Gottheit zu meistern.«
»Dann habe ich nichts anderes.«
Die zwei funkelten einander an, bis He Yishu sich betont räusperte. »Ähem. Nun. Ich habe tatsächlich einen Ort.«
»Dass Ihr einen habt, nützt mir nichts. Ich bin derjenige, der ihn braucht.«
»Ich habe eine Villa in Hevenchat. Wenn ich sie Euch vorübergehend verkaufe – würde das nicht auch als Euer Zimmer zählen?«
Hua Mi starrte den wohlhabenden jungen Herrn neben ihr donnererschlagen an. »Ich beginne zu spüren…«
»Hm?«
»Gibt es wahrhaftig so etwas wie ›Schicksal‹ in dieser Welt?«
»Was meint Ihr?« Die anderen wandten sich zu dem Mädchen-von-nebenan um.
»Wohin Ihr auch geht – es ist ein Urlaub. Ihr habt kaum einen Fuß hierhergesetzt, und schon habt Ihr Eure eigene Villa.«
»He-hm.« He Yishu bedeckte den Mund mit einer Faust. »Der Generalmajor hat sie mir gewährt. Und ich bin nicht der Einzige dort – Xue Qi wohnt auch da.«
»Ahh –« Hua Mis Lippen spitzten sich.
Sowohl Wagg als auch Yang Zicang runzelten die Stirn. Hevenchat war zu weit – aber gegen ihre Alternativen war es zumindest näher. Gerade als sie im Begriff waren, sich darauf festzulegen, hob Luchslicht, die ganze Zeit still am Rande, als Außenseiter behandelt, lediglich beobachtend, seine Hand.
»Ähm… wenn niemand Einwände hat… mein Boot ist noch am Ufer.«
Yang Zicang, He Yishu, selbst Wagg – alle leuchteten auf.
…
Zurück am Meerufer von Baiqin-Stadt tauchten Yang Zicang und He Yishu aus der kleinen Kabine auf. Sie wandten sich sofort zu Luchslicht um, der ihnen folgen wollte. »Luchslicht, hey.«
»Ah?«
Luchslicht hatte ein ungutes Gefühl.
Yang Zicang zögerte, dann sagte er: »Um diesen Kerl am Entkommen zu hindern, müssen wir Euch bitten, das Boot weiter hinauszusegeln.«
»D-das…« Er kämpfte und täuschte Verwirrung vor. »Was meint Ihr?«
»Die See, wisst Ihr, jene weite, grenzenlose See. Selbst mit Chronos könnte jemand, der ins Wasser fällt, noch ertrinken, oder? Um sicherzustellen, dass dieser alte Bastard nicht entkommt – könntet Ihr das für uns durchhalten?«
Luchslicht öffnete den Mund lautlos.
Eine lange Pause…
»In Ordnung, Vorsitzender.«
»Guter Bruder!« He Yishu klopfte ihm ernst auf die Schulter, dann reichte er ihm einen Hevenchat-Scheck. »Reisekosten für Euch, Bruder.«
Yang Zicang warf einen Blick auf den Scheck – dreitausend Silberrundstücke, Hevenchat-Währung.
»Fahrt jetzt los. Ihr könnt sowieso jederzeit ins Gasthaus zurückkehren. Passt nur auf vor heimlichen Angriffen von Wagg. Hmm… ich werde ein paar Zehntausend Chronos in Euch investieren – haltet es jederzeit verstärkt als Vorsichtsmaßnahme. Außerdem werde ich Euch später Essen und etwas Unterhaltung bringen. Was mögt Ihr?«
»Ich mag Videospiele.«
»Großartig. Ich bringe Euch ein paar Romane dieser Art. Wenn ich welche finden kann.«
Anweisungen erteilt, schulterte Yang Zicang die kleine Reisetasche, die He Yishu mitgebracht hatte, und blitzte in der Dunkelheit die Klippenwand empor. He Yishu, unterstützt vom Moxel, das Yang Zicang entfaltete, kletterte ebenfalls flink hinauf.
In diesem Moment war Yang Zicang sehr besorgt um Anxi und Yao Xiaoqin. Besonders Anxi – er war mit ihm nach Brückesteindorf gegangen, was es leicht machte, ihn zu Yang zurückzuverfolgen.
Glücklicherweise antwortete Anxi schnell: Er hatte die Gerüchte gehört und seit dem Morgen keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Er hatte sogar Hester mit ins Pachtgebiet hinein in Deckung gezerrt und wagte nicht, sein Gesicht zu zeigen.
»Und Yao Xiaoqin? Ist sie in Ordnung?«
{Sie… sollte in Ordnung sein. Jemand beschützt sie.}
Yang Zicang studierte Anxis Gesicht im Sinnesbild. Etwas war seltsam. Die Augen des Mannes wichen aus.
»Solange Ihr sicher seid. Wechselt die Identität und bereitet Euch auf den Aufbruch vor. Ich kontaktiere sie jetzt.«
Die Verbindung trennte sich. Yang Zicang unternahm mehrere Versuche, bevor er endlich zu Yao Xiaoqin durchkam, die sichtlich auf der Kante war, ein Badetuch um sich gewickelt umklammerte und hinter eine verzierte geschnitzte Tür gepresst war.
{Vorsitzender Buchen, seid Ihr – seid Ihr in Ordnung? Ich war so besorgt! Sie sagen, das Haus, das wir gemietet hatten, wurde zerstört – ist das wahr?}
Yang Zicang studierte ihr Versteck – ein luxuriöser Waschraum – mit einigem Erstaunen.
»Qinqin, wo bist du?«
{Ich bin in einem Hotel. Und ratet mal – ich führe allein eine Mission aus!}
»Mhm? Welches Hotel? Ich komme und hole dich ab. Wir können hier nicht länger bleiben. Oder du kannst direkt zurück ins Gasthaus gehen und dich mit uns wieder gruppieren.«
Yao Xiaoqin, in ihr Handtuch gewickelt, sah tief in Konflikt.
{Jetzt zurückzukommen… wäre so eine Verschwendung. Ich habe bereits eine Verbindung zum Zeremonienoberhaupt aufgebaut. Nur zweimal mit ihm einkaufen gewesen, und ich habe schon so viel mitgehört, was gewöhnliche Leute niemals erfahren könnten!}
Yang Zicangs Herz zog sich zusammen.
»Nun… es ist wirklich am besten, wenn wir uns alle sammeln und so schnell wie möglich dieses Land verlassen. Ich wäre heute beinahe umgebracht worden.«
In dem Moment, als er es sagte, fühlte Yang Zicang sich seltsam, als spielte er die Mitleidskarte, obwohl es wirklich nur Sorge um das Mädchen war.
Yao Xiaoqins Ausdruck verhärtete sich vor Entschlossenheit.
»Nein, Vorsitzender. Ich kann nicht einfach die Helferin sein, die für Euch alle Botengänge macht. Ich… ich will meinen eigenen Glanz hervorbringen, sogar einen Blitz! Nur dann kann ich weit reisen in dieser gefährlichen Welt! Also… lasst mich dieses eine Mal eigensinnig sein, Vorsitzender-Bruder. In ein paar Tagen werde ich mit ihm in die Hauptstadt gehen. Der Zeremonienoberste sagt, er braucht meine Hilfe bei etwas.«
Yang Zicang spürte, wie sein Körper sich instinktiv zurücklehnte. Die Augen weit – teils Unglaube, teils klatschsüchtige Spekulation.
»Du würdest nicht… ist da auch jemand im Hotel…«
»Hmpf, was denkst du!«
Yao Xiaoqin brach in Wut aus, wurde aber sofort weich und sprach mit schwacher Entrüstung:
»Danke für Eure Besorgnis, Vorsitzender. Aber ich bin nicht die Sorte Frau, die einfach jeder anfassen kann, wisst Ihr. Entspannt Euch. Seid brav. Ich werde Euch jederzeit über meine Lage berichten. Manche Dinge brauchen später immer noch Euch und die anderen!«
Zum ersten Mal wurde die Verbindung von der anderen Seite getrennt.
Laufend, beruhigte Yang Zicang rasch seinen Geisteszustand.
Er war beinahe überrascht. Seine Emotionen, von denen er immer gehört hatte, dass sie verschiedene Methoden zur Beruhigung erfordern würden, hatten sich einfach mit einem einzigen Willenswechsel beruhigt – innerhalb einer einzigen Sekunde!
»Ist meine Geistesenergie wieder gewachsen?«
»Nun, Bruder Yang, sind sie alle in Ordnung?«, fragte He Yishu.
»Mn. Sie sind alle wohlauf.«
Den leicht benommenen Ausdruck des Vorsitzenden bemerkend, hustete Herr He leicht. »Vorsitzender, Ihr… wie oft wart Ihr mit Mädchen aus?«
Yang Zicang wandte den Kopf, zögernd. »Nie.«
»Ah. Äh-hm.« Der Jugendliche, der neben ihm angehalten hatte, machte eine Pause und wechselte dann das Thema. »Also, was nun? Bringen wir sie und verlassen Baiqin-Stadt direkt?«
Yang Zicangs Augen verengten sich. Er erinnerte sich plötzlich – er hatte einen Auftrag angenommen, nicht wahr?
Er hatte kaum wieder zu laufen begonnen, als er schlitternd zum Halt kam.
»Was ist?« He Yishu stoppte ein paar Meter vor ihm und wandte sich zu Yang Zicang zurück, der nun auf das ferne Meer hinausstarrte.
»Ich werde jemanden holen gehen. Außerdem – lasst uns doch nicht weglaufen.«
»Eh? Was jetzt? Schmollt Ihr?«
»Heh-heh. Wir sind Nebelvolk. Rennen wir los, sobald uns jemand erschreckt? Sogar…«
Sogar eine Frau tat es nicht, dachte er still.
He Yishu, der kapierte, lächelte und ging zurück. »Schon gut, schon gut, ich verstehe. Also, was tun wir? Ich habe nicht einmal Verkleidungsmaterial mitgebracht.«
»Macht nichts. Wenn wir keines haben, besorgen wir uns einfach selbst welches. Dies ist genau der Moment, auf den Karl sich gefreut hat.«
Damit schwankte Yang Zicangs Gestalt, als wollte sie umkippen. He Yishu griff eilig zu, um ihn zu stützen, nur um einen Hut auf unheimliche Weise in Yangs Hand erscheinen zu sehen.
Ein paar Stunden später.
Karl wurde an Bord des Bootes gebracht, der Kiefer hing ihm den ganzen Weg offen, von He Yishu und Yang Zicang, die das spottende »Trugbild-Hohn-Schwert« trugen.
Luchslicht wäre beinahe aus der Haut gefahren.
»Nicht übel, Kleines Licht. Ihr seid schon ziemlich weit hinausgerudert.«
»Ähem… also, Ihr geht doch nicht?«
»Planänderung vorerst. Wir bleiben genau hier, und wir gehen nicht, bevor wir die Geheimnisse dieser Bastarde ausgegraben haben!«
Plötzlich loderten Yang Zicangs Augen vor Wut.
»Karl, kommt. Heute Nacht beginnen wir, die Unterschlüpfe dieser hinterhältigen Ratten auszukundschaften.«
-[Distributor Februar · Dian gab mir eine positive Bewertung.]
Karl, der von Yang Zicang unterwegs hastig über den Zweck dieser Reise informiert worden war, rieb sich die Gänsehaut am Arm unter der Waschung jener wallenden Emotion.
»Wo fangen wir an? Hotels?«
»Von –« Der Mann am Bug hätte beinahe Blut gespuckt.
»Khm… ähem…« Neben ihm befeuchtete He Yishu seine Lippen mit der Zunge und kämpfte verzweifelt, seinen Ausdruck zu kontrollieren.
»Vergesst es.« Yang Zicang atmete aus. »Fangt von der alten Straße an, wo ich angegriffen wurde. Auch die ein- und ausgehenden Fahrzeuge und die Besucherregister an den Stadttoren.«